
Stummfilmkino mit Live-Musik
Am Klavier: Richard Siedhoff
D 1930, R: Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer, B: Billie Wilder, Curt Siodmak, K: Eugen Schüfftan, Fred Zinnemann
FSK: O
Berlin im Sommer 1929. Vier junge Leute machen einen Sonntagsausflug ins Grüne, an den Wannsee. Sie planschen im Wasser und fahren im Tretboot, sie gehen spazieren und hören Grammophon, sie necken sich, sie lieben sich und gehen wieder auseinander. Eine Allerweltsgeschichte und doch unvergesslich, bezaubernd in ihrer spielerischen Leichtigkeit; ein Geniestreich einer Gruppe von jungen Filmemachern, hergestellt mit wenig Geld und großer Begeisterung.
„Menschen am Sonntag“ ist einer der letzten deutschen Stummfilme und zugleich der modernste. Er wirkt wie ein frühes Manifest der Nouvelle Vague, wie ein Aufbegehren gegen die ausgetretenen Pfade des alten Erzählkinos, wie ein Befreiungsschlag: An die Stelle von Stars und eingeübten Bewegungen treten Laiendarsteller und ein unverbrauchtes Spiel. Die eleganten Kamerafahrten durch Studiokulissen sind hier ersetzt durch unkonventionelle und überraschende, in dokumentarischer Manier gedrehte Bilder von Menschen, Orten und Stimmungen in Berlin. Der berühmte Kameramann Eugen Schüfftan fotografiert die Gesichter gegen den Himmel und schafft den Eindruck von Grenzenlosigkeit und Zuversicht. „Menschen am Sonntag“ feiert den Augenblick, das Hier und Jetzt. Ein melancholischer Grundton ist dabei aber stets präsent, denn die Erlebnisse und Stimmungen sind flüchtig und nicht von Dauer, die Gefühle kommen und gehen. Was bleibt, ist das Filmmaterial, das festhält und nicht mehr loslässt. Neben Schüfftan sind fünf Anfänger an dem Film beteiligt, die allesamt große Karrieren in Hollywood vor sich hatten: die Regisseure Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer, die Drehbuchautoren Curt Siodmak und Billie Wilder, der Kameraassistent Fred Zinnemann. (Stummfilmkonzerte.de)
Richard Siedhoff begleitete seit 2008 mehr als 500 Stummfilmklassiker mit Eigenkompositionen und konzipierten Improvisationen am Klavier und gilt als einer der gefragtesten Talente auf seinem Gebiet. Neben unzähligen kleinen Veranstaltungen gastiert er regelmäßig auf den Internationalen Stummfilmtagen Bonn, im Filmmuseum München, im Filmpodium Zürich, im Zeughaus Kino Berlin, im Arsenal Kino Berlin, in der Blackbox im Filmmuseum Düsseldorf und zahlreichen Stummfilmevents im In- und Ausland. Einige seiner Musiken hat er bereits für DVD-Veröffentlichungen eingespielt. Er tritt auf Festivals in der Schweiz, Österreich, Italien, Schottland, Thailand, Süd-Korea und China auf. Vermehrt schreibt Siedhoff auch Stummfilmbegleitungen für Kammerensemble und Orchester. Er ist Composer in Residence des Metropolis Orchesters Berlin. 2020 erhielt Siedhoff den 1. Deutschen Stummfilmpreis für seine Rekonstruktion der sinfonischen Originalmusik zu »Der Golem, wie er in die Welt kam«.